Einige von euch werden es schon mitbekommen haben: Wir sind vor Kurzem umgezogen. Aus Platzgründen musste ich leider schweren Herzens meinen Quadro Games Jumbo verkaufen. Zwar habe ich jetzt eine Mancave bzw. ein eigenes Büro – nein, nennen wir es ruhig Mancave. Doch leider hätte der Automat zu viel Stauraum weggenommen, weshalb er einen neuen Besitzer brauchte.
Außerdem muss ich zugeben: Auch wenn das Spielen an ihm wirklich mega Spaß gemacht hat und er in den ersten Wochen täglich genutzt wurde, stand er am Ende eigentlich nur herum und staubte ein. Man ließ ihn auch nicht einfach so im Attract Mode laufen, denn dafür waren die Netzteile zu laut. Etwas, das man in Spielhallen und Kneipen nie mitbekommen hat, da die Umgebungsgeräusche dort deutlich lauter sind.

Hätte ich den Platz gehabt, wäre er definitiv geblieben und hätte vielleicht sogar einen Flipper zur Seite gestellt bekommen. Aber auf 401 × 269 cm muss halt nicht nur mein Schreibtisch einen Platz finden.
Es musste also eine Alternative her. Zwar habe ich schon einen Arcade Stick und, ehrlich gesagt, sogar einen sehr schicken, aber bei dem fehlten mir die Pinball-Buttons. Außerdem musste ich feststellen, nachdem ich den AtGames Legends Mini hatte, dass Pinball-Spielen mit so einem kleinen Teil auf dem Schreibtisch nicht wirklich Spaß macht. Es fehlt einfach dieses Gefühl, vor einem Flipper zu stehen und ihn ordentlich durchzuschütteln, wenn mal wieder alles schiefläuft.

Vor einiger Zeit wurde mir dann ein Video von Wagners Tech Talk in die YouTube-Timeline gespült, einem YouTuber, dessen Content ich sehr mag. Er stellte den X-Arcade2TV-XR Stick von XGaming vor – einen Arcade Stick mit dazugehörigem Stand, der sich mit der Quest 3 verbinden lässt. Ein wenig Recherche ergab, dass dieser nur per Import zu bekommen war und … oh boy, nicht gerade günstig ist.
Im Bundle sollte das Teil über 470,-€ kosten (zwar inklusive Standfuß), und dazu kamen noch Versandkosten sowie Zoll und Einfuhrumsatzsteuer. Wir reden also von locker 600,-€ (im Sale auch günstiger) für einen Arcade Stick. Zum Vergleich: Mein Quadro Games Jumbo hatte mit zwei PCBs inklusive Spedition nur 625,-€ gekostet. Gut, da hatte ich allerdings auch Glück, normalerweise gehen die ohne PCB für 700,- bis 850,-€ weg.
Dennoch ein stolzer Preis für „nur“ einen Arcade Stick. Also verwarf ich den Gedanken ziemlich schnell.
Dank Doivel, einem Community-Mitglied, mit dem ich auch privat in Kontakt bin, kam dann die Idee auf, einen eigenen PinSim zu basteln. Um es mit den Worten des Physiklehrers Prof. Bommel aus „Die Feuerzangenbowle“ zu sagen: „Wat isse ne PinSim?“
Ein PinSim ist ein Flipper ohne Spielfeld und Backglas – ein Stand, an den man sich stellt und dann via VR einen virtuellen Flipper spielt. Das Coole daran: Er sieht aus wie das „Hinterteil“ eines echten Pinballs, ist aber kompakt und lässt sich platzsparend in die Ecke stellen.
Nach ein wenig Recherche stellte ich allerdings fest, dass diese ebenfalls nicht günstig sind. Viel schlimmer ist aber: Im Gegensatz zum X-Arcade Stick kann man diese nicht mit der Quest 3 verbinden, um z. B. Pinball FX VR direkt auf der Brille zu spielen. Leider hat sich ZEN Studios dazu entschlossen, dies exklusiv mit einigen Partnern wie z.B. XGaming anzubieten.
Zwar gibt es noch andere Projekte, aber irgendwie kommen die nicht in die Pötte. Meiner Meinung nach ein klarer Fehler von ZEN, denn hierdurch verhindern sie Maker- und Community-Projekte. Keine Ahnung, ob es sich dabei um eine zeitlich begrenzte Kooperation handelt und früher oder später andere Bluetooth-Controller-Boards zugelassen werden. Aktuell kommt man aber nicht um den X-Arcade Stick herum, wenn man sich direkt mit der Quest 3 verbinden möchte.
Dank des Umzugs hatte ich, bzw. meine Frau aber erst einmal andere Projekte für mich, die Priorität hatten. So geriet das Projekt Arcade Stick erst einmal wieder in den Hintergrund.
Eines Abends surfte ich dann aus Langeweile auf eBay und dachte mir: Ach, guck doch mal, ob jemand den Stick anbietet. Auch wenn ich nicht wirklich daran glaubte, einen Treffer (zumindest in Deutschland) zu landen, traute ich meinen Augen nicht. Tatsächlich bot jemand in Bayern das Teil inklusive Versand und der zusätzlich erhältlichen Spinner an. Den dazugehörigen Stand hatte er offensichtlich bereits verkauft.
Da meine Finanzen durch den Umzug noch etwas strapaziert waren, griff ich nicht sofort zu, sondern setzte das Angebot auf Beobachtung. Nach einer erstaunlich produktiven schlaflosen Nacht dachte ich mir schließlich: Komm, versuch es einfach mal mit einem Preisvorschlag.
Der Verkäufer wollte ursprünglich 250 € inklusive Versand haben, was bereits ein absolut fairer Preis gewesen wäre. Also tippte ich 225 € ein, drückte auf „Senden“ – und zack, hatte ich das Teil gekauft. Ein echter Schnapper. Zwar ohne Standfuß, aber braucht man den wirklich?
Spoiler: Ja. Braucht man.
Ein paar Tage später war das gute Stück dann gut verpackt in der OVP bei mir. Ein kurzer Test ergab: Das Teil funktioniert und hat keine versteckten Mängel – außer einer Verfärbung auf der Oberseite. Die hatte der Verkäufer allerdings in der Beschreibung erwähnt und auf den Fotos dokumentiert.
Da ich ohnehin überlege, mir das dazugehörige Haptics Kit zu holen, wäre dies sowieso egal gewesen, da dabei auch dieser Teil des Gehäuses ausgetauscht wird.
Was ich allerdings ein wenig unterschätzt hatte, waren A) die Größe und B) das Gewicht. Das Gehäuse ist zwar aus Plastik, bringt aber dennoch ordentlich Gewicht auf die Waage. Es passt nicht einmal in meinen BESTÅ-Schrank von Ikea. Auch das TV-Rack, das ich mir kürzlich für meinen Bang & Olufsen MX4200 geholt habe, ist zu schmal für das Teil.
Hinzu kommt: Auf dem Schreibtisch macht das Teil nicht mehr Spaß als der AtGames Legends Mini (mit Ausnahme des nicht vorhandenen Trackballs). Der dazugehörige Stand musste also her.
Wie es der Zufall so wollte, war dieser nun bei Amazon Deutschland via Prime für 110 € erhältlich – ohne zusätzliche Zoll- und Versandkosten. Knapp eine Woche später war er dann auch da (so viel zu Prime).
Erst wurde meine Frau krank, dann ich, dann brach ich mir den großen Zeh. Als es einigermaßen wieder ging, hatten wir den Verdacht auf einen Schlaganfall bei unserem Hund Chewy (war Gott sei Dank nur ein altersbedingtes Syndrom, und sie ist bereits auf dem Weg der Besserung). Zu guter Letzt kam dann noch ein Hexenschuss dazu – alt werden ist nichts für Weicheier!
So lag der Stand erst einmal in der OVP herum und der X-Arcade stand ungenutzt auf dem BESTÅ.
Gestern kam ich nun endlich dazu, den Stand aufzubauen. Das war ähnlich wie bei Ikea-Möbeln, inklusive einer vergleichbaren Anleitung und eines sehr guten Videos, ein Klacks. Lediglich die Verbindung des Standfußes mit dem Gestell stellte sich als etwas frickelig heraus.
Nach etwa 40 Minuten war das gute Stück aufgebaut. Es besteht aus Metall, bringt stolze 15 Kilo auf die Waage und ist wirklich stabil.
Nun hieß es, den Stick einzusetzen und die LED-Beleuchtung mit ihm zu verbinden. Schon erstrahlte der X-Arcade inklusive Standfuß in vollem Glanz.

Zwar war mir dies bereits aus Videos bekannt, aber irgendwie hielt ich das für eine unnötige Spielerei, die den Preis nur künstlich in die Höhe treibt. Die Farbe lässt sich übrigens einstellen und sieht tatsächlich ganz gut aus – recht dezent sogar. Auf dem Foto wirkt es deutlich drastischer, aber das Rot stammt hauptsächlich von meinem Coca-Cola-Kühlschrank.
Zuerst musste ich natürlich Pinball FX VR mit der Quest 3 testen. Also den Standfuß auf die höchste Einstellung gebracht, die für mich wie gemacht ist. Mit meinen 196 cm Körpergröße hatte ich durchaus Bedenken, dass die Höhe nicht ausreichen könnte. Tatsächlich ist er für ein Pinball Cabinet sogar etwas zu hoch eingestellt.
Vermisste ich bei meinem Testspiel am Schreibtisch noch das haptische Feedback, war dies nun nicht mehr der Fall. Die Immersion ist so groß, dass man wirklich das Gefühl hat, an einem echten Flipper zu stehen. Wie muss das erst mit dem optional erhältlichen Haptics Kit sein?
Nach ein paar Runden an Indiana Jones Pinball und Attack from Mars machte ich erst einmal eine kleine Pause.
Am Abend wurde der Stick dann vor meinem Bang & Olufsen MX4200 aufgebaut und mit dem MiSTer FPGA verbunden. Der X-Arcade wurde ohne Probleme erkannt, lediglich die Button-Belegung musste ich kurz anpassen.
Dann wurde zum ersten Mal seit Jahrzehnten Missile Command so gespielt, wie es ursprünglich am Automaten vorgesehen war: mit einem Trackball und drei Buttons für die einzelnen Raketensilos.
Oh Gott, ich war wieder zwölf Jahre alt. Unglaubliche Flashbacks.
Danach habe ich eines meiner Lieblingsspiele, Bank Panic, gespielt, und auch das machte genauso viel Spaß wie am Quadro Games Jumbo.

Ein erstes Fazit:
Das Teil macht Spaß, gar keine Frage. Es kommt richtiges Arcade-Feeling auf – sowohl als Arcade-Stick als auch als Pinball-Controller. Als Deko-Objekt ist es im Vergleich zu einem Arcade-Cabinet natürlich weniger beeindruckend. Dafür nimmt es deutlich weniger Platz ein und kann mal eben von A nach B verschoben werden. Genial ist auch, das man die Höhe verstellen kann, so kann ich im stehen Arcade oder Pinball spielen, oder eben im sitzen, wie bei einem japanischen Candy Cab.
Das Button-Layout sieht durch seine Symmetrie zwar optisch richtig gut aus, ist dadurch aber auch etwas unglücklich gestaltet. Beim Pinball-Spielen liegt der rechte Handballen auf den Knöpfen auf. Der Hersteller liefert zwar eine 3D-gedruckte Handballenauflage mit. Diese mag zwar angenehm sein, sieht dafür aber eher unschön aus. Zudem lässt sie sich nur mit einem Klebestreifen anbringen, wodurch sie praktisch dauerhaft mit dem Gehäuse verbunden ist.
Außerdem fehlt ein zweiter Pinball-Button. Diesen benötigt man beispielsweise bei Pinball FX, um am Tisch zu rütteln. Dieses Problem löst sich allerdings mit dem Haptics Kit, denn dann reagiert der Tisch auf Bewegungen. So stabil, wie der Standfuß ist, stelle ich mir das richtig gut vor, und ich überlege ernsthaft, mir das Kit noch zu bestellen.
Dafür werden allerdings noch einmal 267,-€ plus Zoll und Einfuhrumsatzsteuer fällig. Zwar immer noch günstiger als ein selbst gebauter PinSim, aber dennoch eine stolze Summe. Bisher habe ich 335,-€ statt rund 520,-€ (inklusive Spinner Kit) bezahlt.
Für das Geld bekommt man bereits ein gutes gebrauchtes Arcade-Cabinet oder einen Arcade1Up-Automaten. Selbst eine Nintendo Switch oder ein Steam Deck sind in diesem Preisbereich erhältlich, und meine Quest 3 war gebraucht mit 330,-€ sogar günstiger.
Hier eine Kaufempfehlung auszusprechen, ist schwierig. Ich glaube, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich bereue den Kauf nicht. Ob ich ihn allerdings auch zum Vollpreis getätigt hätte? Ehrlich gesagt weiß ich das nicht. Einen selbst gebauten PinSim im FabLab hätte ich ebenfalls in Betracht gezogen. Mit diesem hätte ich allerdings nicht ohne PC und direkt mit der Quest 3 spielen können – zumindest nicht, solange ZEN daran nichts ändert, falls das überhaupt jemals geschieht.
Wäre es mir möglich gewesen, das X-Arcade vorher bei einem Freund oder auf einer Convention zu testen, wäre die Entscheidung wesentlich leichter gefallen. Wäre es lediglich ein Arcade-Stick ohne die VR-Pinball-Funktion, hätte ich ihn mir nicht bestellt. Für mich war die VR-Option das eigentliche Kaufargument.
Aber 470 € nur, um damit Pinball in VR spielen zu können?
In den USA sieht die ganze Situation preislich etwas entspannter aus. Dort bekommt man das X-Arcade-Bundle für „nur“ 360 US-Dollar. Bei uns kommen jedoch die ganzen Zusatzkosten hinzu, die das Gesamtpaket deutlich unattraktiver machen.
Vielleicht noch einmal zum Vergleich: Ich habe mir kürzlich ein neues Moza R3 Racing Bundle für 299,-€ und ein Racing-Cockpit für 155,-€ gekauft (ein Blogbeitrag dazu folgt noch). Klar, ein völlig anderer Einsatzzweck, aber preislich durchaus vergleichbar.
Ein Hobby darf meiner Meinung nach auch gerne etwas mehr kosten. Ein Autoschrauber oder Meerwasseraquarianer lacht vermutlich über solche Preise. Ein Arcade- oder Pinball Sammler würde dagegen wahrscheinlich eher mit dem Kopf schütteln. Nun hat aber nicht jeder den Platz, sich einen oder mehrere Videospielautomaten oder Flipper hinzustellen.
Wie gesagt: Die Entscheidung liegt letztendlich bei euch selbst.
Habt Ihr Fragen zu dem X-Arcade Stick? Lasst es mich in den Kommentaren wissen, gerne werde ich diese in Teil 2 beantworten.